
Formalästhetisch interessiert Milly Werner die menschliche Figur weniger. Konsequent also, dass sie, wenn sie Menschen darstellt, sich denen widmet, an denen sich kaum eine*r sattsehen könnte: »loved ones«. Bloß ihr Titel gibt der Arbeit einen privaten Charakter – Namen, Beziehungen oder weitere Details bleiben unerwähnt. In der Reihe von sechs Gesichtern, von denen eines ein Selbstbildnis ist, zeigt sich formal eher ein sammelndes oder strukturierendes Prinzip als ein privates. Der eigentlich runde Kopf ist eingepasst in ein immer gleich großes Rechteck und referiert so auf digitale Ästhetiken. Einem Profilbild oder Avatar ähnlich, zeigt das Relief das Gesicht in seiner Eigenart und baut gleichzeitig Verzerrungen oder Ungenauigkeiten ein. Diese lassen die Masse der Gesichter wirken als seien sie mit einem Generator entworfen, der minimale Wiederholungen auf Grund seines modularisierten Systems nicht vermeiden kann. Analog zur dreidimensionalen, digitalen Welt der glitches, slices und meshes nutzt Milly Werner ein Skalpell, um aus Digitaldrucken der Portraitbilder ihrer »loved ones« kleine Platten auszuschneiden, die dann auf das im Vorhinein modellierte und in Gips gegossene Relief aufgebracht werden. Schatten, Details und Hauttöne erscheinen so im selben Moment hyperdigital realistisch und seltsam unreal.
Im generellen Sinne zeigt sich so die im Titel angedeutete Intimität der Serie: Liebe und Zuneigung erscheinen als der stetige Versuch, den oder die Andere*n zu begreifen oder festzuhalten. Während sich gleichzeitig die Unmöglichkeit offenbart, dass dieser Versuch als genaue Entsprechung ganz gelingen könnte oder überhaupt wirklich wünschenswert wäre.
KURATORISCHER TEXT VON LENA MAGENS

Formalästhetisch interessiert Milly Werner die menschliche Figur weniger. Konsequent also, dass sie, wenn sie Menschen darstellt, sich denen widmet, an denen sich kaum eine*r sattsehen könnte: »loved ones«. Bloß ihr Titel gibt der Arbeit einen privaten Charakter – Namen, Beziehungen oder weitere Details bleiben unerwähnt. In der Reihe von sechs Gesichtern, von denen eines ein Selbstbildnis ist, zeigt sich formal eher ein sammelndes oder strukturierendes Prinzip als ein privates. Der eigentlich runde Kopf ist eingepasst in ein immer gleich großes Rechteck und referiert so auf digitale Ästhetiken. Einem Profilbild oder Avatar ähnlich, zeigt das Relief das Gesicht in seiner Eigenart und baut gleichzeitig Verzerrungen oder Ungenauigkeiten ein. Diese lassen die Masse der Gesichter wirken als seien sie mit einem Generator entworfen, der minimale Wiederholungen auf Grund seines modularisierten Systems nicht vermeiden kann. Analog zur dreidimensionalen, digitalen Welt der glitches, slices und meshes nutzt Milly Werner ein Skalpell, um aus Digitaldrucken der Portraitbilder ihrer »loved ones« kleine Platten auszuschneiden, die dann auf das im Vorhinein modellierte und in Gips gegossene Relief aufgebracht werden. Schatten, Details und Hauttöne erscheinen so im selben Moment hyperdigital realistisch und seltsam unreal.
Im generellen Sinne zeigt sich so die im Titel angedeutete Intimität der Serie: Liebe und Zuneigung erscheinen als der stetige Versuch, den oder die Andere*n zu begreifen oder festzuhalten. Während sich gleichzeitig die Unmöglichkeit offenbart, dass dieser Versuch als genaue Entsprechung ganz gelingen könnte oder überhaupt wirklich wünschenswert wäre.
KURATORISCHER TEXT VON LENA MAGENS